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125 Jahre Neusser Bauverein AG: Von der Idee zum Erfolgsmodell

Der Neusser Bauverein steht seit 125 Jahren für preislich faire und attraktive Wohnungen in Neuss.

Neuss ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts verzeichnete die Quirinus-Stadt mit der zunehmenden Industrialisierung eine regelrechte Bevölkerungsexplosion: Innerhalb von 30 Jahren stieg die Einwohnerzahl von 10.000 auf 20.000 Menschen. Nach dem Bau der Eisenbahn und des Neusser Hafens wurden Fabriken gebaut, woraufhin viele Arbeitskräfte aus dem Umland in die prosperierende Stadt strömten – und Wohnraum knapp wurde. Zu dieser Zeit war sozialer Wohnungsbau allerdings noch keine Aufgabe der Kommunen – und so kamen findige Neusser Kauleute und Unternehmer auf die Idee, das Problem selbst in die Hand zu nehmen.

 

Die Gründung des Neusser Bauvereins

Schon die Gründerväter des Neusser Bauvereins setzten sich in ihrer Satzung zum Ziel, „das Wohl der arbeitenden Klassen in wirtschaftlicher, sittlicher und religiöser Richtung zu fördern“. Die Gründung der Neusser Bauverein AG im Jahr 1891 als eine der ersten gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften in der damaligen Rheinprovinz wurde angeregt durch den damaligen Landrat, Dr. jur. Clemens von Schorlemer, der spätere Oberpräsident der Rheinprovinz sowie Preußischer Landwirtschaftsminister. Vorsitzender des ersten Aufsichtsrates wurde Mühlenbesitzer Franz Hofstadt. Die Kaufleute Julius Thomas und Wilhelm Heinemann bildeten den Vorstand der Aktiengesellschaft, deren Ziel die „Beschaffung billiger und gesunder Wohnungen“ war. Und so spiegelt sich in der Geschichte des Neusser Bauvereins die Zeitgeschichte wider: Gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Strömungen, aber auch der Zeitgeist hatten direkten Einfluss auf die Entwicklung des Bauvereins.

Ein Stück Wohn- und Wirtschaftsgeschichte

Die neue Wohnungsbaugesellschaft startete mit einem Grundkapital von 64.000 Goldmark – zu dieser Zeit kostete ein Morgen Land zwischen 2000 und 6000 Goldmark. Zunächst entstanden am damaligen Stadtrand einfache Häuser mit Zwei- und Drei-Zimmer- Wohnungen.

Am Berghäuschensweg 39-43 sind diese ältesten Immobilien der Neusser Bauverein AG bis heute erhalten, wenngleich sie natürlich inzwischen stark modernisiert wurden. Damit sich die Gesellschaft entwickeln konnte, stellte der Stadtrat dem Bauverein 1899 einen Kredit von umgerechnet 100.000 Euro zur Verfügung. Damit ergab sich für die Stadt eine Aktienmehrheit von 88 Prozent, die in der Folgezeit weiter ausgebaut wurde. Bis zur Jahrhundertwende war der Neusser Bauverein das einzige Wohnungsunternehmen in der Stadt, das sich die Schaffung von preiswertem und gutem Wohnraum zur Aufgabe gemacht hatte.

Erst danach erfolgte die Gründung einer Reihe von Wohnungsgenossenschaften, die sich ebenso für die Wohnungsversorgung unterer und mittlerer Einkommensgruppen engagierten. 1914 gehörten zum Bestand der Neusser Bauverein AG bereits 257 Wohnungen und Eigenheime, die das Stadt- und Siedlungsbild nachhaltig beeinflusst haben. Dazu zählte auch die Wohnbebauung an der Heerdter Straße, die mit ihrer für die damalige Zeit gehobenen Fassadengestaltung und den dekorativen Backsteingiebeln zu den stadtbildprägenden Wohnanlagen im Randbereich des Neusser Hafens gehörte. Die Stadt war bis dahin auf inzwischen 40.000 Einwohner gewachsen, allerdings auch durch Eingemeindungen umliegender Gebiete wie Buschhausen, Vogelsang, Neusser-Furth und Weißenberg. Dadurch, dass die Stadt über ihren einstigen Stadtkern erheblich hinausgewachsen war, gab es genug freie Flächen für die Neuentwicklung von Gewerbe und Industrie sowie den Wohnungsbau.

 

Tiefe Einschnitte und große Herausforderungen

Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hinterließ tiefe Spuren in der Stadt: Armut und Wohnungsnot bestimmten die Lebensverhältnisse. Vielen Familien fehlte der Ernährer, der Bauverein erließ den Angehörigen der kämpfenden Soldaten 25 Prozent der Mietsumme und musste dadurch selbst große finanzielle Verluste verkraften. Die Geldentwertung der 1920er Jahre stellte die Menschen vor massive Probleme, und auch der Bauverein verlor sein Vermögen. Trotzdem errichtete er zwischen 1928 und 1930 Wohnungen in den nördlichen Stadtgebieten. Diese waren erstmals mit einem eigenen Bad ausgestattet – ein Luxus zur damaligen Zeit.

1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, musste der Bauverein eigene Projekte erst einmal zurückstellen und an der „Gartenvorstadt Reuschenberg“ mitwirken. Nach dem Krieg waren weite Teile der Stadt zerstört – auch jede dritte Wohnung war beschädigt. Von den mehr als 1000 Wohnungen, die der Neusser Bauverein vor dem Kriegsausbruch errichtet hatte, waren nur noch 430 bewohnbar. Gleichzeitig stieg die Einwohnerzahl der Stadt rapide – 55.000 Menschen wollten 1945 in der Quirinus-Stadt leben, 20 Jahre später schon doppelt so viele. Neuss war eine Zeit lang die am schnellsten wachsende Großstadt in der Bundesrepublik. Wohnraum wurde dringend benötigt – und der Neusser Bauverein stellte sich der Herausforderung.

In den 1960er Jahren errichtete der Bauverein, der ein immer stärkerer Partner der Stadt wurde, rund 4000 neue Wohnungen, zunächst überwiegend in der Innenstadt, später entstanden im Zuge der Stadtentwicklung Wohnblöcke in Gnadental und Weckhoven, Vogelsang und Weißenberg. Etwa ein Viertel der Neusser Bevölkerung lebte 1966 in Wohnungen des Neusser Bauvereins.

 

Wegweisende Architektur

Aber nicht nur die Menge, auch die Architektur der Wohnungen des Neusser Bauvereins haben das Stadtbild von Neuss geprägt. Während in den 1950er und den frühen 1960er Jahren vor allem die drei- bis viergeschossige Bauweise in aufgelockerten und durchgrünten Wohnsiedlungen vorherrschte, orientierte sich die Bauweise ab Mitte der 1960er Jahre an amerikanischen Vorbildern: Große Wirtschaftseinheiten und hochgeschossige Wohngebäude ersetzten die überschaubare Nachbarschaft – schufen dabei aber gleichzeitig auch viele Wohnungen auf wenig Raum. In dieser Zeit entstanden auch die Wohnsiedlungen in Erfttal, Gnadental und Weckhoven. Als die Stadt Neuss 1980 mit fast 150.000 Einwohnern ihren bis dato höchsten Bevölkerungsstand erreichte, hatte der Neusser Bauverein fast 1200 Eigenheime errichtet und mehr als 6000 Wohnungen in seinem Bestand.

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Städtebauliche Akzente

Anstatt neue Wohngebiete am Stadtrand hochzuziehen, konzentrierte sich die Stadtplanung in der folgenden Zeit darauf, bestehende Baulücken in der Innenstadt zu schließen. Der Neusser Bauverein setzte als enger Partner der Stadt Projekte um, die vor allem auch der Stadtbild- und Denkmalpflege dienten. Damit setzte er Maßstäbe: Mit der Umwandlung des historischen Wasserwerks an der Weingartstraße in hochwertige Wohnarchitektur schuf er einen Glanzpunkt in der Neusser Innenstadt. Auch um die Jahrtausendwende setzte er städtebauliche Akzente: Nachdem das Horten-Kaufhaus 1999 geschlossen wurde, vollzog der Neusser Bauverein die Umwandlung des riesigen Warenhauses in ein Kultur- und Dienstleistungszentrum. Neben der Hauptverwaltung des Rhein-Kreises Neuss sind dort heute das Rheinische Landestheater, ein Programmkino und Einzelhandelsunternehmen untergebracht.

Einige Jahre später realisierte der Neusser Bauverein den spektakulären Umbau des ehemaligen Speichergebäudes am „Haus am Pegel“. Heute ist dort der Verwaltungssitz der Neusser Bauverein AG, der seither mit seiner prägnanten Silhouette und der roten Farbgebung der Fassade nicht nur das Tor zur Innenstadt aufwertet, sondern auch die städtebauliche Entwicklung der „Waterfront“ entlang der Hafenmole I einleitet.

 

Fortschritt in den Stadtteilen

Gleichzeitig sorgte der Neusser Bauverein in den Stadtteilen selbst für Fortschritt und trieb auch dort die Stadtentwicklung voran – zum Beispiel bei den erfolgreichen Stadtteilerneuerungsprozessen in Erfttal und Weckhoven. Der hochverdichtete Geschosswohnungsbau der 1970er Jahre wurde dort ersetzt durch attraktive Mehrfamilienhäuser in aufgelockerter Bauweise mit begrünten Innenhöfen, Einfamilienhäusern und Wohngemeinschaften für ältere Bewohner. Auf diese Weise wurde die Wohnkultur verbessert und die soziale Struktur der Stadtteile positiv verändert. Auch das mehrfach ausgezeichnete Wohnquartier Südliche Furth an der Wingenderstraße und die Weiterentwicklung des Marienkirchplatzviertels stehen beispielhaft für das städtebauliche Engagement des Neusser Bauvereins. Ebenfalls wurden die älteren Wohnungen am Berghäuschensweg in den vergangenen fünf Jahren stark modernisiert und energetisch saniert. Heute erstrahlen die ehemaligen „Raupenhäuser“ in frischem Glanz mit neuen Wohnungszuschnitten, zeitgemäßem Wohnkomfort und ansprechender Architektur.

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Praktische Hilfen für die Mieter

Zudem ist das Sozialmanagement ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Neusser Bauvereins. Denn auch das harmonische Zusammenleben der Menschen liegt dem Neusser Bauverein am Herzen. Mieter- und Quartiersfeste sowie Mietertreffs stärken das nachbarschaftliche Miteinander und fördern den Dialog und das Gemeinschaftsgefühl. Praktische Hilfe leistet der Bauverein mit seinem 24-Stunden-Notdienst, Serviceangeboten wie der wöchentlichen Hotline zur Energieberatung und Gästewohnungen. Seit einigen Jahren schon stellt sich der Neusser Bauverein außerdem den neuen Herausforderungen einer immer älter werdenden Gesellschaft: Die Frage, wie Menschen auch im hohen Alter noch selbstbestimmt leben können, hat den Bauverein dazu bewegt, Wohnmodelle zu entwickeln, die die größtmögliche Selbstständigkeit mit individuell benötigter Hilfestellung verbinden.

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Projekte für die Menschen

Heute leben in rund 7000 Wohneinheiten und 859 Häusern rund 21.000 Mieter bei der Neusser Bauverein AG. Und es werden immer mehr: Das derzeit im Bau größte Projekt ist das Mehrgenerationen-Quartier an der Hülchrather Straße in Weckhoven. Denn die Neusser Bauverein AG hat die Zukunft stets fest im Blick, auch wenn sie auf eine 125 Jahre währende Geschichte zurückschauen kann. Die Ansprüche an das Wohnen haben sich in dieser Zeit massiv verändert, aber die Ansprüche, die die Neusser Bauverein AG an sich selbst stellt, haben sich nicht verändert: Projekte für die Menschen zu entwickeln und umzusetzen, mit denen das Wohnen und das Leben verbessert werden.